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Wenn die Fee zum Spülen erscheint
Von Christian Leinweber, 10.02.11, 16:31h
Das Quartett Antweiler, Graf & Co. aus Allner schreibt Mundart-Songs im großen Liedermacher-Stil. Ihre Musik hat mit kölschen Klängen derweil wenig zu tun, sondern orientiert sich vielmehr an irischen Folk-Bands.
(Bild: Christian Leinweber)
Folk, ganz auf Hennefer Platt: Manfred Bosse (von links), Martin Graf, Bernd Antweiler und Tanja Krämer sind Antweiler, Graf & Co. Die Band aus der Siegstadt versteht es, Texte mit viel Tiefgang zu schreiben.
Hennef – „In Allner bin ich geboren und aufgewachsen, Hennefer Platt ist meine Sprache.“ Für den Musiker Martin Graf (51) ist es daher selbstverständlich, dass er seine Lieder in Mundart singt, und zwar als Mitglied der Allnerer Band Antweiler, Graf & Co. Seit dem Jahr 2003 ist die vierköpfige Formation aktiv, ihre Songs bezeichnet sie als „Krätzchen und Balladen“. Doch wer dabei an volkstümliche Klänge aus dem Rheinland à la Willi Ostermann denkt, liegt daneben.
Denn die beiden Songschreiber – Sänger, E-Pianist und Akkordeonspieler Graf und Sänger und Multiinstrumentalist Bernd Antweiler (64) -, sowie der Akustikgitarrist Manfred Bosse (63) und die Kontrabassistin Tanja Krämer (36) machen Musik in der Tradition irischer Folk-Bands, etwa The Pogues, und amerikanischer Singer / Songwriter wie zum Beispiel Townes van Zandt.
Dass die Songs von Antweiler, Graf & Co. trotz des Gesangs in Mundart so unrheinisch klingen, liegt nicht zuletzt an den zahlreichen Saiteninstrumenten, die Antweiler spielt: Mandoline, Banjo und Bouzouki etwa lassen eher an schummrige Pubs in Irland denken, an die Berge Kentuckys, denn an Kölschkneipen oder die Niederrheinische Bucht.
Seit 1962 ist Antweiler bereits als Musiker aktiv, damals gründete er die Band Screamers. Rund vier Jahre später ging daraus die Bonner Rock-Jazz Formation Panzerknacker hervor. Die gibt es immer noch, Bosse bedient auch dort die Gitarre.
Die ungewöhnliche Kombination aus Folk-Musik und Hennefer Platt von Antweiler, Graf & Co. gibt es auch auf CD: „Krätzje un Ballade“ heißt das bereits 2008 erschienene, aber trotzdem noch aktuelle Album. Und schon nach dem ersten Hördurchgang ist klar: Der Titel ist Programm. „Doch noch immer brennt ming Hätz“ etwa ist eine mit sanften Pianoklängen untermalte Ballade aus der Feder Grafs, die punktgenau ins emotionale Zentrum trifft – schlicht und unprätentiös. Da singt er: „Et es att ewig her, dat mir zwei von uns jedröömp han, et es att ewig her, dat mir im Nävvel Sterne jefonge han“. Poesie in feinster Reinkultur, zum Heulen schön.
Das Stück „Café“ wiederum ist ein treibendes Werk voller Wehmut, das die Weiten des Ozeans beschwört, Antweilers „Spööl für mich“ ein getragener High-and-Lonesome-Song, der zu einem gemächlichen Ritt über die Prärie einlädt. Oder zum Spülen, wie der Text eben augenzwinkernd suggeriert. Klar Schiff gemacht.
Darin fantasiert Antweiler nämlich über eine Fee, die am Morgen nach einer wilden Party in seinem Haus für ihn klar Schiff macht, damit er weiterschlafen kann. Das sei genau so passiert – die Party, nicht die Fee. Denn Antweiler und Graf erzählen in ihren Texten von Dingen, die sie selbst erlebt haben, fassen ihren Alltag in kleine Geschichten. „Viele kommen gern zu unseren Konzerten, weil es bei uns vorrangig um die Texte geht“, glaubt Antweiler. „Wir singen eben nicht sieben mal den Refrain, damit die Leute möglichst schnell auf den Tischen stehen und brüllen und trampeln.“ Mit dem Karneval haben Antweiler, Graf & Co. deshalb nichts am Hut, ihre Musik ist nicht zum feuchtfröhlichen Feiern gedacht. Zuhören ist angesagt, dann kommt man auch in den Genuss der humorvoll-ironischen, der wunderschön-traurigen Texte.
Die nächste Gelegenheit dafür ist übrigens am Montag, 21. Februar, um 19 Uhr: Dann spielt die Combo im Kölner Szeneladen „Lotta“, Kartäuserwall 12. Der Eintritt ist frei, ein Hut für Spenden wird herumgereicht.
Kein Auge bleibt trocken
Von Ulrike Webhofer, 06.12.10, 10:53h
Die „Antweiler (Anti), Graf & Co.“ ist in der „Sieglinde“ aufgetreten. Die Zuschauer knubbelten sich regelrecht um die Kultband zu erleben. Die Musiker lösten bei den Besuchern allerhand verschiedener Gefühle aus.
(Bild: Ulrike Webhofer)
Auf der Bühne in der Sieglinde: Bernd Antweiler, Tanja Krämer, Manni Bosse und Martin Graf (von links) begeisterten das Publikum.
Hennef – Bereits zwei Stunden vor Beginn des traditionellen Konzerts der Hennefer Kultband „Antweiler (Anti), Graf & Co.“ knubbelte es sich in der Gaststätte „Sieglinde“. Galt es doch, einen Sitzplatz zu ergattern, um ja nichts von den „kleinen Verzällchen“ den „Krätzjer un Balladen“ zu verpassen.
Und dann ging’s los: Köstlich, wie die vier Vollblutmusiker Bernd Antweiler, Martin Graf, Manni Bosse und Tanja Krämer mit ihren Blechblasinstrumenten in den urigen Saal einmarschierten, um ihre neuen und älteren Mundartwerke ihren jubelnden Fans zu präsentieren. Während Anti in seinem „Büggel“ kramte, um die letzten Utensilien für das Konzert zu suchen, erzählte er, dass sie nicht so gut vorbereitet wären, aber für freitags würde es schon reichen. Schon hatte er die ersten Lacher im Publikum auf seiner Seite. Mit „Tanz mit mir bis morgen früh“, ging es dann los. Gefühlvolle Ballade.Und als sich später „Anti“ noch als begnadeter „Tangotänzer Eduard“ outete, bei dem die Füße schweben, die Beine beben und er dabei auch noch schön ist, blieb kein Auge trocken. Nachdenklicher ging es zu, als Graf eine gefühlvolle Ballade anstimmte: „Immer wenn ich an dich denke, werde ich ganz still“, oder er sich fragte, wie es im Himmel wird, ob er auf einer Wolke schläft oder in einem richtigen Bett und augenzwinkernd darauf hofft, nur Freunde da oben zu treffen und nicht seinen Chef. Mit einem „Freundschaftswachrüttellied“, gregorianischem Gesang und bayrischem Dreigesang setzten sie ihr abwechslungsreiches Programm fort.
Heimelig wurde es, als sie nach der Pause „Winter em Dörp“ anstimmten. Und bei der verschmitzten „Moritat vom Weihnachtsboomholle“ sangen sie einigen Fans aus dem Herzen. Zitat: Mit ein bisschen „Schabau“, lässt sich so mancher Weihnachtsbaum schön trinken.
Antweiler, Graf, & Co.: hausgemachte
Krätzjer und zarte Balladen für die Seele
und als Pulver für die Lachmuskeln:
Nach dem Album „Frisch“ von Gerd Köster und Frank Hocker ist die CD „Krätzje un Ballade“ von Antweiler, Graf, & Co wieder ein Album, das täglich auf meinem „Plattenteller“ (der heute CD-Player heißt) liegt und seine Runden dreht. Denn die Musik und die Texte der Hennefer Musiker, die bewusst kein Kölsch, sondern „Hennefer Platt“ singen, werden nie langweilig.
Meine anfängliche Skepsis gegenüber ihrer eigenen Mundart wurde von der Begeisterung ihrer einfallsreichen, Texte und der abwechslungsreichen Musik überholt. „Krätzje un Ballade“ ist ein Ohrenschmaus und sorgt mit seinen Texten für nachdenkliche Stimmung und fröhliche Ausgelassenheit mit Aha-Erlebnissen.
Es sind Lieder über jahrelange Liebe, Beziehung und ihren Krisen und dem daraus resultierenden Familienalltag. Während „Denn noch immer brennt mi Hätz“ eine Liebesbezeugung trotz jahrzehntelanger Beziehung ist, bedeutet „Su e bissje Rään“ die Aufmunterung in der Partnerschaft auch Krisen und Stürme zu überstehen. Text und Musik beider Lieder stimmen traurig und nachdenklich. Aber sie treffen den Nagel auf den Kopf und sind entgegen dem „Ballermann“-Trend mit ExundHopp-Gesängen, bei denen Beziehungen eben nur den Haltbarkeitswert einer Eintagsfliege haben.
Auch die erheiternden Stücke „Weihbischof“, „Tangotänzer Eduard“, „Danz“, „Spööl für mich“ und „Ich stonn widder met de Tütte do“ sind genialen Einfällen der beiden sympathischen Musiker entsprungen. „Weihbischof“ dürfte vielen Bläck Fööss-Fans bekannt sein. Ehrlich gesagt, hört sich das Stück bei dem rauhen Gesang von Martin Graf weitaus besser an, als von Kafi Biermann vorgetragen.
Alltägliche, banale Erlebnisse werden von Antweiler, Graf, & Co. der Lächerlichkeit preisgegeben – immer mit augenzwinkernder Intelligenz.
Bei ihren Texten muss man zweimal oder mehr hinhören, denn es sind (wie bei Köster & Hocker) keine Einweg-, sondern Mehrwegtexte.
Vor allem der hintergründige Charme ihres Humors amüsiert auch die Zuhörer. Es gibt – wie im Leben – viele Möglichkeiten die Situationen, Geschehnisse und Erlebnisse zu betrachten. Dass Weihnachtsträume nicht immer in Erfüllung gehen, wird in der heiteren Geschichte „Spööl für mich“ von Bernd Antweiler erzählt. Der ebenso meinen Favoriten-Song singt: „Su e bissje Rään“. Übrigens hat die Band 2009 mit der vielseitigen Kölner Musikerin Tanja Krämer ihre musikalischen und menschlichen Horizont erweitert. Wer mit den Musikern Kontakt aufnehmen möchte, um sie zu buchen oder die CD zu bestellen, sei die Homepage:
antweilergrafundco.de oder die Telefonnummer
von Bernd Antweiler (02242) 9183900.
Pressebericht: OFF/Köln von Rüdiger Rene` Keune
Ausgabe 4/09 vom Dez. 2009
Bandportrait und CD Kritik

